Stärkung der frühkindlichen Bildung mit weniger Ressourcen?
Die aktuellen negativen Pisa-Ergebnisse zeigen den Reformbedarf unseres Bildungssystems. Die ersten Lebensjahre legen das Fundament der späteren Bildungsbiografie und sind für die Persönlichkeitsentwicklung von besonderer Bedeutung.
Um ihrem im SGB VIII verankerten Auftrag, Kinder zu bilden, zu erziehen sowie ihrem Entwicklungsstand gemäß zu betreuen und zu fördern, brauchen Kitas endlich entwicklungsförderliche Rahmenbedingungen.
Rheinland-Pfalz will aktuell mit Sprachstandserhebungen, Fördermaßnahmen und einem verpflichtenden Vorschuljahr die frühkindliche Bildung stärken.
Gleichzeitig wird das politische Handeln von Kürzungen bestimmt oder werden notwendige Verbesserungen in die Zukunft verschoben. Es fehlt der Wille, Prioritäten zu setzen und die notwendigen Mittel für eine kindgerechte Kita-Qualität zur Verfügung zu stellen.
- Wie passt es zusammen, dass angesichts dringenden Handlungsbedarfs
der Bund verbindliche Tests in Kitas und anschließende Fördermaßnahmen fordert und gleichzeitig die bisherigen Mittel des Bundes (Starchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz) für die Kitas um die Hälfte gekürzt? - im Kinder- und Jugendhilfebereich bei Schul- und Kita-Begleitung gespart werden soll?
Inklusionskräfte sollen zukünftig mehrere Kinder betreuen, bzw. auf sogenannte Poollösungen zurückgreifen.
- die Rückmeldungen aus der Praxis in rheinland-pfälzischen Kitas bezüglich schlechter Rahmenbedingungen seit Jahren zahlreich und eindeutig sind, die Evaluation aber auf 2028 verschoben wurde?
- Das 2021 in Kraft getretene Kita-Gesetz muss evaluiert und schnellstmöglich nachgebessert werden. Das versprochene Ziel einer verlässlichen, bedarfsgerechten inklusiven Betreuung aller Kinder mit guter frühkindlicher Bildung und Förderung ist in den meisten Kitas unter den aktuellen Bedingungen nicht erreicht und nur eingeschränkt umsetzbar. Trotzdem will sich die Landesregierung mit der Evaluation des Kita-Gesetzes bis 2028 Zeit lassen.
- zurückgehende Kinderzahlen auf kommunaler Ebene häufig nicht zu einer dringend benötigten besseren Personalisierung führen und dazu, mehr Raum zur Verfügung zu stellen, sondern zu Schließungen von Gruppen und Einrichtungen?
Die verbleibenden Einrichtungen müssen weiter unter den unzureichenden Rahmenbedingungen, unter denen sie ihrem Bildungsauftrag nur eingeschränkt nachkommen können, weiterarbeiten.
- Freie Kita- Träger seit 5 Jahren auf kommunaler Ebene um die Höhe ihres Eigenanteils streiten, ohne dass eine verbindliche Lösung gefunden wird.
Im Kita-Gesetz steht, dass freie Träger einen angemessenen Eigenanteil erbringen müssen. Über das Wort angemessen wird nun seit Jahren erbittert gestritten.
- Bereits bestehende gesetzliche Möglichkeiten von Kita-Trägern nicht ausgeschöpft werden?
Im aktuellen Kita-Gesetz ist festgeschrieben, dass der Kita-Träger ganzjährig den vollen Personalschlüssel vorzuhalten hat. Die Praxis sieht anders aus. Bei weitem nicht alle Träger personalisieren so, dass Urlaub, Fortbildung und Krankheitstage durch genügend fest eingestelltes Personal oder Vertretungskräfte abgedeckt werden.
Als Fachkräfte aus der Kita-Praxis stimmen wir den Worten des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten, dass die Kinder unsere größten Schätze sind, vorbehaltlos zu. Jetzt gilt es, dementsprechend zu handeln.
Wie kann die frühkindliche Bildung gestärkt werden?
- Der aktuelle Personalschlüssel für Kinder unter zwei Jahren muss zukünftig für alle Kinder unter drei Jahren gelten.
Auch zweijährige Kinder sind Kleinkinder, die gewickelt werden müssen, viel Assistenz in jeglicher Hinsicht brauchen und emotional auf ständig verfügbare Bezugspersonen, die ihnen Trost und Sicherheit bieten, angewiesen sind.
- Kitas müssen nicht mehr fast voll belegt werden, um die entsprechenden Personalkosten erstattet zu bekommen.
Das aktuelle Kita-Gesetz berechnet die Personalisierung nach Köpfen, also nach Kinderanzahl, Alter und Betreuungsstunden. Nach dem Vorgängergesetz bekamen Gruppen mit 15-25 Kindern die gleiche Kostenerstattung bezüglich des Personals. Damit gab es einen deutlich größeren Toleranzspielraum, der unter der aktuellen Regelung stark abgeschmolzen wurde. In Gegenden mit zurückgehenden Kinderzahlen könnte mit einem größeren Toleranzrahmen sehr einfach die Schließung von Einrichtungen verhindert und gleichzeitig die pädagogische Qualität verbessert werden. Kita-Fachkräfte hätten dann mehr Zeit und Raum, um Kinder nicht prioritär zu beaufsichtigen, zu pflegen und Assistenz zu leisten, sondern ihre Interessen und Fragen aufzugreifen und daraus frühpädagogische Angebote zu entwickeln.
- Es müssen verbindliche räumliche Standard nach fachlichen Vorgaben geschaffen werden, damit ausreichend viele Sanitär-Essens-Schlaf und Ruheräume, aber auch Räume für eine differenzierte pädagogische Arbeit sowie Besprechungen, Vor- und Nachbereitung sowie Elterngespräche zum Standard in den Einrichtungen werden.
Obwohl alle Kinder durchgehend sieben Stunden oder länger betreut werden, wurden vielerorts die räumlichen Bedingungen nicht oder nur unzureichend an die neuen Erfordernisse angepasst.
An kleinen Stellschrauben zu drehen und den Kitas neue zusätzliche Aufgaben zu übertragen, ohne adäquate zeitliche und räumliche Ressourcen zur Verfügung zu stellen, wird keine der erhofften Verbesserungen bringen. Auf dem Papier (Bildungs- und Erziehungsempfehlungen von RLP) haben wir bereits vorbildliche frühpädagogische Standards. Was fehlt, sind entwicklungsförderliche Bedingungen im Kita-Alltag, um eine qualitativ hochwertige frühpädagogische Arbeit sowie eine dem Entwicklungsstand der Kinder gemäße Betreuung und Förderung leisten zu können.
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Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):
Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.
Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.
Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”
Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.
Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.
Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.
Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.
Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!
Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):
Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.
Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.
Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”
Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.
Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.
Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.
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Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!
Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):
Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.
Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.
Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”
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