Anschreiben an die neue Bildungsministerin

Sehr geehrte Frau Dr. Eiling-Hütig,

der Kita-Fachkräfteverband Rheinland-Pfalz sendet Ihnen herzliche Glückwünsche zu Ihrem Amt als rheinland-pfälzische Bildungsministerin und möchte sich vorstellen.

Unser Verband arbeitet auf rein ehrenamtlicher Basis unter dem Motto „die Stimme aus der Praxis.“ Unsere Mitglieder kommen aus der Kita-Praxis. Die meisten von uns arbeiten als pädagogische Fachkräfte oder Leitungen in rheinland-pfälzischen Kitas.

Als Expertinnen und Experten des Kita-Alltags engagieren wir uns für eine kindgerechte Kita-Qualität und Rahmenbedingungen, die allen Kindern einen entwicklungsförderlichen Kita-Alltag ermöglichen.

In Rheinland-Pfalz gehören Kitas in die Zuständigkeit des Bildungsministeriums. Das ist ein Statement für die Wichtigkeit früher Bildung und Kitas als Fundament des Bildungssystems.

Vor fast fünf Jahren trat in unserem Bundesland ein neues Kita-Gesetz in Kraft, das jedem Kind ab zwei Jahren eine kostenlose durchgehende Betreuung von mindestens sieben Stunden bietet. Die vergangenen Jahre zeigten, dass viele Kitas Schwierigkeiten hatten und haben, genügend Personal für die neuen Anforderungen zu finden. Aber auch voll besetzte Kitas fallen unter den aktuellen Rahmenbedingungen schnell in einen Notbetreuungsmodus. Sie können oft nicht mehr die vereinbarten Betreuungszeiten gewährleisten, wenn nicht genügend Vertretungskräfte vorhanden sind, um Personalausfälle durch Urlaub, Krankheit und Fortbildung aufzufangen. Viele Kitas schildern uns außerdem Probleme beim Thema Verfügungszeiten. Im Schulbereich war und ist es selbstverständlich, dass Lehrkräfte mittelbare Arbeitszeiten brauchen. Im Kita-Bereich gibt es dagegen bis heute keine verbindlichen Regelungen für pädagogische Fachkräfte zur Vor- und Nachbereitung der pädagogischen Arbeit. Ob Verfügungszeiten überhaupt verbindlich im Dienstplan verankert sind oder wegfallen, sobald die Kita personell unterbesetzt ist, unterscheidet sich von Träger zu Träger, da es keinerlei gesetzliche Regelungen gibt und auch in den Bildungs- und Erziehungsempfehlungen nichts Konkretes zum Thema zu finden ist.

Wir begrüßen die im Koalitionsvertrag vereinbarten Verbesserungen, durch höhere Leitungsdeputate und zusätzliche Sprachförderkräfte mehr Zeit für die pädagogische Arbeit mit den Kindern zu schaffen. Bereits die Vorgängerregierung hat seit einigen Monaten Maßnahmen vorangetrieben, welche Trägern die Einrichtung von Vertretungspools ermöglichen bzw. erlauben, bis zu15% mehr Personal einzustellen, um Personalausfälle abzufedern. Da die Kinderzahlen laut Prognosen in den nächsten Jahren auch in RLP zurückgehen, bieten sich Chancen, freiwerdende Kapazitäten für bessere räumliche und personelle Standards zu nutzen.

Hinsichtlich der Kita-Rahmenbedingungen herrscht in Wissenschaft und Fachpraxis seit Jahren Einigkeit über die fachlichen Mindestanforderungen an eine gute Kita-Qualität (siehe „Die gute Kita- Handlungsempfehlungen für die Frühpädagogik“ Verlag Herder – Ein persönliches Exemplar senden wir Ihnen per Post).

Das Statement unseres neuen Ministerpräsidenten „Kinder sind unsere größten Schätze. Deshalb setzen wir mit unserem Koalitionsvertrag klare Schwerpunkte für bessere Bildung in Rheinland-Pfalz“ weckt in uns die Hoffnung, dass gerade im Kita-Bereich als Fundament des Bildungssystems finanzielle Prioritäten mit dem Ziel gesetzt werden, sich den fachlichen Mindeststandards für eine gute Kita-Qualität zu nähern.

Die Koalition hat unter Ihrer Führung vor, die Bildungs- und Erziehungsempfehlungen zu überarbeiten und einen Schwerpunkt auf die Förderung von Vorschulkindern sowie Sprachförderung zu legen. Als Fachkräfte, die ihren Dienst täglich in den Kitas vor Ort tun, halten wir es für wichtig, diese Themen aus frühpädagogischer Perspektive und unter Einbeziehung fachlicher Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie sowie der Frühen Bildung anzugehen. Dass die Landesregierung laut Koalitionsvertrag dafür eng mit der Kita-Praxis zusammenarbeiten will, begrüßen wir sehr und hoffen, dass Sie auch unseren Verband in diese Arbeit mit einbeziehen.

Lernen in den ersten Lebensjahren gelingt vor allem im Kontext persönlicher Beziehungen und kontinuierlicher intensiver Interaktion zwischen Fachkräften und Kindern. Um sich gut zu entwickeln, sind Kinder auf Sinnzusammenhänge und ganzheitliches Erleben angewiesen. Im ursprünglichen Sinn des Wortes müssen sie die Welt begreifen.

Deshalb sollte Kita-Politik nicht in erster Linie aus der Perspektive der Schule heraus gedacht, sondern gemeinsam mit Kita-Fachkräften und Frühpädagogen/Frühpädagoginnen weiterentwickelt werden.

Für Fragen und Austausch stehen wir gern zur Verfügung. Über eine Möglichkeit, Sie persönlich kennenzulernen, würden wir uns sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Claudia Theobald

(Vorsitzende)

Eine Meinung zu “Anschreiben an die neue Bildungsministerin

  1. Simone Rheinheimer sagt:

    Liebe Claudia, ich lese immer wieder gerne deine Statements. Wie schaffst du das alles neben deiner Tätigkeit in der Kita? Ich bewundere das und hoffe, dass du noch lange die Kraft und Ausdauer hast zum Wohle der Kinder und auch der Erzieherinnen /pädagogische Fachkräfte.
    Herzlichen Dank für dein Engagement und liebe Grüße von Simone

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