Ende des Jahres 2025 wurde der Forschungsbericht des LEA Rheinland-Pfalz „Keine gute Kita ohne gute Elternmitwirkung- Kita-Qualität aus Elternsicht“ veröffentlicht: https://www.lea-rlp.de/wp-content/uploads/IBEB_Forschungsbericht_Elternmitwirkung-LEA-final.pdf.
Die Studie enthält viele interessante Ergebnisse, mit der sich alle Kita-Akteure auseinandersetzen sollten. Im Folgenden werden einzelne Aspekte aus der Studie erläutert, die entsprechende Quellenangabe bezieht sich auf die oben genannte Studie.
Als Kita-Fachkraft, die eine gute Erziehungs- und Bildungspartnerschaft für unverzichtbar hält, möchte ich einige Aspekte herausgreifen, die sich direkt auf Kinder und Fachkräfte im Kita-Alltag beziehen:
Die Teilnehmenden wurden gefragt, welche Kriterien sie mit einer guten Kita verbinden. (Seite 65, Tabelle 11). Die Top-Ergebnisse (> 90% der Befragten benannten diese Punkte als sehr wichtig oder wichtig):
Eine gute Kita
- macht ihre Arbeit transparent
- beschäftigt qualifizierte Fachkräfte
- bietet einen nachvollziehbaren gelebten Kinderschutz
- hat verlässliche Öffnungszeiten
- zeigt transparent ihr Vorgehen bei personellen Engpässen auf
- hat Fachkräfte, die einen guten Umgang mit den Kindern pflegen
- lebt ihre Konzeption
- fördert alle Kinder adäquat
- besitzt ein funktionierendes Beschwerdemanagement
- bietet verlässliche Ansprechpartner
- ermöglicht eine gute Elternmitwirkung
Die Teilnehmenden wurden gefragt, in welchem Umfang ihre Kita einzelne Aufgaben erfüllt. Hier zeigt sich, dass ein hoher Prozentsatz der Eltern wahrnimmt, dass ihre Kita den Aufgaben nicht vollumfänglich gerecht wird (Seite 67, Abbildung 27).
- Erziehung: 28,1% der Befragten gaben „vollkommen“ und 49,3% „überwiegend“ an.
- Bildung: 23,3 % der Befragten gaben „vollkommen“ und 44,1% „überwiegend“ an.
- Betreuung: 35,2% der Befragten gaben „vollkommen“ und 44,3% „überwiegend“ an.
- Inklusion: 17,7% der Befragten gaben „vollkommen“ und 41,1% „überwiegend“ an.
- Zuverlässige Unterstützung: 16,8% „vollkommen“ und 44,8% „überwiegend“ an.
Besonders spannend finde ich die Frage, wie Eltern die Fachkräfte in Hinblick auf Stress im Kita-Alltag erleben (Seite 68, Abbildung 28).
- 34,9% (also nur gut ein Drittel der befragten Eltern) erlebten die pädagogischen Fachkräfte als häufig entspannt bzw. ausgeglichen.
Diese Ergebnisse zeigen, dass die Perspektive von Eltern und Fachkräften in vielen Bereichen übereinstimmt. Beide Parteien wünschen sich einen verlässlichen stabilen Kita-Alltag, der allen Kindern entwicklungsförderliche und kindgerechte Bedingungen bietet.
Viele Kita-Fachkräfte erleben täglich, dass sie diesem Anspruch unter den real existierenden Bedingungen nur eingeschränkt gerecht werden können. Dadurch entsteht ein fortwährendes Dilemma, das Kita-Teams ständig dazu zwingt, schmerzliche Entscheidungen treffen zu müssen. Werden verlässliche Öffnungszeiten an erste Stelle gestellt, zahlen Kinder und Fachkräfte einen hohen Preis, weil fast alle pädagogischen Angebote gestrichen werden und prekäre Betreuungsbedingungen entstehen, in denen zu wenig Personal zu viele Kinder betreut und die Kinder keine vertrauten Bezugspersonen vorfinden. Überlastung und Überforderung von Kindern und Fachkräften sind die Folgen. Gewährleistet die Kita dagegen konsequent die Aufsichtspflicht sowie das Kindeswohl und sieht sie sich einer entwicklungsgemäßen Betreuung und frühkindlichen Bildung verpflichtet, führt das in vielen Einrichtungen zu Einschränkungen, welche für den Alltag der Familien Belastungen mit sich bringt.
Eine gute Erziehungs- und Bildungspartnerschaft ist in einer von Mangel geprägten Kita-Welt nötiger denn je. Stress und Überforderung der Fachkräfte wirkt sich negativ auf die Kinder aus, was wiederum das Familiensystem belastet.
Neue Kita-Eltern gehen in der Regel erst einmal davon aus, dass sie aufgrund ihres im SGBVIII verankerten Rechtanspruches einen bedarfsgerechten, verlässlichen und von guter pädagogischer Qualität geprägten Kita-Platz haben. Leider landen sie unsanft in der Realität der Einrichtungen vor Ort. Hier bedarf es einer guten Kommunikation zwischen Eltern und dem kita-Team. Die Aufgabe von Leitung und Fachkräften ist, die Arbeit transparent zu machen. Was ist leistbar, und wo stößt die Kita aktuell an Grenzen? Aus welchen Gründen gibt es Einschränkungen und welche Lösungen können gemeinsam mit den Eltern gefunden werden, damit es allen Kindern im Kita-Alltag gutgeht?
Auch die Verantwortlichkeiten im Kita-System müssen transparent offengelegt werden. Wer ist für die Bedarfsplanung zuständig bzw. dafür, wann ein Kind einen Kita-Platz bekommt? Ist die Kita aktuell personell voll besetzt? Gibt es genügend Vertretungskräfte? Wie werden Schutzkonzept und die pädagogische Konzeption im Alltag umgesetzt? Welche Ressourcen können Eltern mit in die Kita einbringen?
Es ist ein kontinuierlicher Prozess, über diese und andere Fragen miteinander im Gespräch zu bleiben, das Beste aus den Gegebenheiten, wie sie nun einmal sind, zu machen und sich gemeinsam für kindgerechte Bedingungen und eine bessere Kita-Welt zu engagieren.
Text: Claudia Theobald

Die komplette Studie ist auf der Homepage des LEA RLP zu finden. Klicke auf das Bild, um direkt dorthin zu gelangen.
Links:
https://www.lea-rlp.de/wp-content/uploads/IBEB_Forschungsbericht_Elternmitwirkung-LEA-final.pdf
https://www.lea-rlp.de/pressemitteilung-ergebnisse-der-landesweiten-elternbefragung
