Anfrage an die rheinland-pfälzische Ampelregierung

Sehr geehrte Mitglieder der rheinland-pfälzischen Ampelregierung!

Die Landtagswahl liegt bald 9 Monate zurück, die Ampelregierung ist nun bereits einige Zeit im Amt. Als Kita-Fachkräfteverband Rheinland-Pfalz möchten wir mit Ihnen über Ihre konkreten Vorhaben für die Kitas im Land sprechen. Dazu finden sich einige Statements im Koalitionsvertrag, die eine gute Gesprächsgrundlage bilden. Wir wollen verstehen, wie Sie die vorhandenen Rahmenbedingungen aus fachlicher Sicht beurteilen und wann Sie Ihre angekündigten Vorhaben in dieser Legislaturperiode umsetzen werden.

Im Koalitionsvertrag schreiben Sie:

Eine gute Zukunft fängt bei unseren Kleinsten in den Kitas an: Wir wollen in allen Kitas
in Rheinland-Pfalz sehr gute Rahmenbedingungen zum Aufwachsen und Lernen
schaffen.“
Und „Mit Inkrafttreten des Landesgesetzes über die Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern in Tageseinrichtungen und in Kindertagespflege (KiTaG) wurden in der letzten
Legislaturperiode die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Rheinland-Pfalz in der
Kindertagesbetreuung weiterhin einen Spitzenplatz unter den Ländern einnimmt.“

Als Kita-Fachkräfte begrüßen wir außerordentlich, dass Rheinland-Pfalz sehr gute Rahmenbedingungen schaffen möchte und sind gespannt, was Sie konkret vorhaben, um diesem Ziel näher zu kommen.

Mit dem Ländervergleich setzen wir uns regelmäßig auseinander. Anders als Sie es darstellen, nimmt Rheinland-Pfalz laut der aktuellen Veröffentlichung vom 24.8.2021 keinen Spitzenplatz ein, was genauso für die Veröffentlichung von 2020 gilt.

Wie Sie in der Übersicht sehen, liegt RLP auf Platz 8 im Ländervergleich. 79,7% der Kita-Kinder im Land haben keinen kindgerechten Betreuungsschlüssel in ihrer Einrichtung. Damit liegt RLP sogar unter dem Bundesdurchschnitt von 72%.

Das neue Gesetz sieht für die Betreuung der Altersgruppe 2-6 Jahre eine Kraft für 10 Kinder vor. Auch wenn noch einige Stunden an Kita- Sozialarbeit, Leitungsdeputaten und einer Stunde pro Woche für AZUBIS dazu kommen, sind wir meilenweit von den Mindeststandards der Fachleute entfernt.

Für die Altersgruppe 2-6 Jahre werden mindestens eine Fachkraft für 4,9 Kinder empfohlen. Ein Personalschlüssel, der schlechter als 5,4 Kinder pro Fachkraft liegt, wird als nicht kindgerecht bezeichnet, da eine gute pädagogische Qualität und das adäquate Eingehen auf die Bedürfnisse der Kinder unter diesen Bedingungen nicht möglich sind.

Seit Jahren bereitet uns der Fachkräftemangel Sorgen. Das Problem ist mittlerweile so groß geworden, dass viele Kitas über lange Zeiträume vakante Stellen haben, die pädagogische Arbeit sehr leidet, die vereinbarten Betreuungszeiten nicht mehr gewährleistet werden können oder Neuaufnahmen verschoben werden müssen. Wir begrüßen daher ausdrücklich alle Bemühungen, die Attraktivität des Erzieherberufes zu steigern. Die meisten Fachkräfte besuchen aktuell noch vier Jahre eine Fachschule und bekommen erst im fünften Jahr eine Vergütung.

Im Koalitionsvertrag schreiben Sie dazu: „Darüber hinaus werden wir die berufsbegleitende Ausbildung analog zur dualen Ausbildung flächendeckend etablieren.“

Eine vergütete Ausbildung, bei der zukünftige Fachkräfte von Beginn an in die Kita-Praxis eingebunden werden, ist eine gute Sache. Für die flächendeckenden Etablierung ist allerdings wichtig, dass die Einrichtungen genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen und Auszubildende auch in Zukunft nicht auf den Stellenschlüssel angerechnet werden.

Uns interessiert, wann und wie Sie dieses Vorhaben konkret umsetzen werden.

Sie sehen, unser Gesprächsbedarf ist groß. Im Koalitionsvertrag schreiben Sie treffend:

„Gegenseitige Achtung, Meinungsbildung, Respektieren von Unterschiedlichkeit, Akzeptanz von Vielfalt, Aushandeln gemeinsamer Regeln – all das muss… erlebt und erlernt werden, damit unsere demokratische Gesellschaft eine gute Zukunft hat.“

Das gilt natürlich nicht nur im Umgang mit Kita-Kindern, sondern auch für den Diskurs mit den pädagogischen Fachkräften.

Deshalb bitten wir Sie um Terminvorschläge für ein digitales Gespräch und freuen uns auf den Austausch mit den Menschen, die für die Rahmenbedingungen in unseren Kitas verantwortlich sind.

Mit freundlichen Grüßen

Claudia Theobald

(Vorsitzende)

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