Ich bin müde

Ein Hallo in die Runde, ein herzliches Hallo und Dankeschön vor allem an die Spitze des Verbandes und alle im Hintergrund!
Auch wenn ich leider an der überaus wichtigen und hoffentlich(!) von Erfolg gekrönten Demonstration in Mainz nicht teilnehmen kann und obwohl in den auf Facebook geteilten offenen Briefen zur aktuellen Situation eigentlich schon alles gesagt ist, möchte ich gerne ein paar Gedanken dalassen.

Meine Kolleg*innen haben es schon in treffende und offene Worte gefasst: Nach vielen Entscheiden seitens der Politik, die uns Erzieher*innen gezeigt haben, wo wir in deren Augen stehen, ist der jüngste hinsichtlich der Corona-Maßnahmen nicht mehr nur ein Schlag ins Gesicht, sondern ein Niederschlag mit dem Knüppel. Lange schon schwanke auch ich zwischen Wut und Resignation hin und her angesichts der Regelungen, die für die Kitas und damit die Kinder, Eltern und Beschäftigten(!) gelten. Ich bin es müde, auf die zahllosen schwammigen Formulierungen zu reagieren, bin es müde, noch mehr aufzupacken, um den “Laden am Laufen zu halten”. Ich fühle mich – wie so viele andere Fachkräfte – alleine gelassen und vor allem missachtet. Missachtet in meiner Gleichwertigkeit, menschlichen Würde, bezüglich meiner Rechte auf Arbeits- und damit Gesundheitsschutz, missachtet damit auch letztendlich im Ansehen, das unsere Berufsgruppe genießen sollte, aber nicht genießt.
Man vertraut uns jeden einzelnen Tag das höchste Gut an: die jüngsten Kinder, auf denen eines Tages die Zukunft unserer Gesellschaft aufbaut und ruhen wird. Wir haben und folgen einem Bildungsauftrag. Doch erhalten wir die Möglichkeiten und Ressourcen, dem in angemessenem und geschütztem Rahmen nachzukommen? Nein! Das Gegenteil ist der Fall: Nach dem neuen Kita-Gesetz demontiert man stattdessen systematisch auch noch die verbleibende Basis und entzieht uns noch das letzte Restchen des Sicherheitsgefühls. Ich jedenfalls fühle mich ausgeliefert. Die Politiker liefern uns sehenden Auges den Risiken einer exponentiell voranschreitenden Durchseuchung aus. Da stimme ich dem Gedanken “Fachkräftekampagne rückwärts – So wird man den Rest auch noch los!” rückhaltlos zu, denn Arbeitsschutz sieht anders aus!
Ich übe meinen Beruf seit vielen Jahren aus und habe ihn vor vielen Jahren aus gutem Grund gewählt, denn es war einmal ein lohnender Beruf. Lassen wir die sich zunehmenden Verschlechterungen und Verschlimmbesserungen im System einmal fort und richten das Augenmerk ausschließlich auf die Corona-Entscheide, genügen mir mittlerweile schon diese, um Folgendes auszusagen:
Hätte ich eine berufliche Alternative und müsste der Rubel nicht weiterhin rollen, würde ich meinem Beruf und damit den Kindern, für die ich das alles tue, noch heute den Rücken kehren.

Ich bin müde.

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