Protestaktion #kitasamlimit macht länderübergreifend auf Missstände in den Kitas aufmerksam

Eine Protestwelle zieht durch die Kitas. Was zunächst in NRW eindrucksvoll begann, zieht nun auch Kreise durch weitere Bundesländer, auch Rheinland-Pfalz beteiligt sich (https://kitafachkraefteverband-rlp.de/kitasamlimit/  und https://www.facebook.com/kitafachkraefteverband.rlp).

Zeitgleich hat auch Ver.di zu solch einer Aktion aufgerufen. Wenn Gewerkschaften, Kita-Fachkräfteverbände oder weitere Aktivist:Innen auf die gleichen Missstände hinweisen, begreift die Politik hoffentlich, dass nicht nur eine bestimmte Klientel oder immer die Gleichen Kritik üben, sondern die Praxis vor Ort gemeinsam um Hilfe ruft und nicht mehr bereit ist so weiterzumachen.

Unter dem Hashtag #kitasamlimit, #esreicht und #unsglangts (in Bayern) protestiert seitdem Kita-Personal aus NRW, Bayern, BAWÜ, RLP, dem Saarland, Niedersachsen und Bremen, Berlin, Hessen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Sowohl die Personalsituation als auch die schlechten Rahmenbedingungen, auf die immer wieder aufmerksam gemacht wird, führen unter den Kita-Fachkräften zu Frust und Ärger.

Die Pandemie tut ihr Übriges, weil auch viele Kita-Fachkräfte von Corona-Infektionen betroffen sind. Fällt Personal aus, sind verlässliche Betreuungszeiten gefährdet. Viele Kitas haben ohnehin vakante Stellen. Im Januar diesen Jahres legte die Agentur für Arbeit (1) beeindruckende Zahlen vor: auf 100 freie Stellen kommen nur noch 79 Fachkräfte. Im Jahr 2010 waren es noch 253 Fachkräfte. Immer mehr Fachkräfte verlassen ihren Beruf und orientieren sich neu. Der Fachkräftemangel verstärkt sich weiter!

Mit der Aktion #kitasamlimit wollen wir über die einzelnen Bundeslandgrenzen hinaus auf die Bedingungen in den Kitas aufmerksam machen. Kindern und Familien brauchen eine verlässliche, bedürfnisorientierte Betreuung und gute Bildung. Frühkindliche Erziehung, Bildung und Betreuung darf der Pandemie, den schlechten Rahmenbedingungen und einem realitätsfernen Personalberechnungsschlüssel nicht länger zum Opfer fallen. Kitas sind keine „Aufbewahrungsstätte“ für Kinder.

Kitas sind Bildungsstätten und legen den Grundstein der Bildungsbiografie. Doch leider fehlt Zeit, Personal und inzwischen die Kraft, um einen kindgerechten Kita-Alltag zu gewährleisten. Die Kita-Leitungen versinken in Bürokratie und haben kaum noch die Möglichkeit, sich um pädagogische Aufgaben und konzeptionelle Fragen zu kümmern. Die noch gesunden Fachkräfte in den Gruppen fangen Krankheitswellen auf, versuchen Personalausfälle zu kompensieren und stehen ständig in der Gefahr, ihre Aufsichtspflicht zu verletzen.

Unserem Bildungsauftrag und einer bedürfnisorientierten Betreuung können wir immer weniger nachkommen. Individuelle Förderung und fachliche Dokumentation müssen sich seit Beginn dieser Pandemie stets der fortan priorisierten Betreuung aller Kinder – koste es was es wolle – unterordnen. Immer mehr Gruppen müssen geschlossen werden, da vermehrt das Personal erkrankt, aufgibt oder Stellen gar nicht erst besetzt sind.

So kann es nicht mehr weiter gehen!

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