KiTa-Helfer – eine Lösung in Zeiten des Fachkräftemangels?

Immer mehr Stellen bleiben in unseren KiTas unbesetzt. Es gibt nicht genügend Fachkräfte, und die Lage wird sich aller Prognosen nach in den nächsten Jahren weiter verschärfen.

Die institutionelle Kinderbetreuung ist mittlerweile unverzichtbar für das Arbeits-und Wirtschaftsleben geworden. Der Betreuungsaspekt steht an erster Stelle. Es geht darum, ein vollumfängliches Betreuungsangebot aufrecht zu erhalten. Gute frühkindliche Bildung wird diesem Ziel untergeordnet. Da ist es ein logischer Schritt, dass immer mehr Träger, wie zum Beispiel auch die Stadt Mainz, Stellen für KiTa-Helfer ausschreiben.

Fachliche Voraussetzungen werden nicht gefordert. Es können sich Leute mit irgendeiner Berufsausbildung bewerben, aber auch Studenten oder Abiturienten, die mindestens 18 Jahre alt sind.

Was bedeutet der Einsatz von fachlich nicht qualifiziertem Personal für den Alltag der Bildungseinrichtung KiTa?

Bis jetzt waren KiTas fast ausschließlich mit Fachkräften, die meistens als Erzieher*innen ausgebildet sind, besetzt. Es gibt viele fachliche Aufgaben für KiTa-Fachkräfte. Hier einige Beispiele:

  • Planung und Durchführung pädagogischer Angebote
  • Entwicklungsstand der Kinder beobachten und dokumentieren, Portfolioarbeit
  • Elterngespräche führen
  • Kooperation mit Institutionen wie Schule, Jugendamt, Kinderärzten oder therapeutischen Einrichtungen
  • Fortentwicklung der konzeptionellen Arbeit
  • Gestaltung von Elternabenden, Elternaktionen, Festen und Feiern
  • Kollegialer fachlicher Austausch über pädagogische Fragestellungen auch in Bezug auf einzelne Kinder
  • Anleitung von Praktikanten oder Einarbeitung neuer Mitarbeiter*innen.

Sinkt der Anteil der Fachkräfte in einer Einrichtung, können folgerichtig auch weniger fachliche Aufgaben wahrgenommen werden und die Umsetzung der Bildungs- und Erziehungsempfehlungen leidet zunehmend. Die pädagogische Qualität sinkt. Darüber sollten sich Träger, Eltern und die Einrichtungen vor Ort im Klaren sein und transparent machen, was mit den vorhandenen personellen Ressourcen noch leistbar ist und inwiefern der Anspruch an frühkindliche Bildung aufrechterhalten werden kann.

Die KiTa-Fachkräfte machen sich natürlich auch Gedanken, wie wir dem großen Fachkräftemangel der nächsten Jahre begegnen können. Ja, wir müssen neue Wege gehen. Es wäre so wichtig, nicht nur über die KiTas zu sprechen, sondern mit ihnen. Träger, KiTa-Leitungen, KiTa-Mitarbeiter, Personal-/Betriebsräte, Fachschulen, Landesjugendamt und die Verbände gehören an einen Tisch, der gerne auch rund sein darf.

Folgende Ideen sollen zum Nachdenken anregen und als Diskussionsgrundlage dienen:

1. Interessierte können als Praktikantinnen und Praktikanten für bis zu sechs Monate zusätzlich zum Stellenschlüssel in Einrichtungen “reinschnuppern” und auch eine Bezahlung erhalten. Damit kann man einen Anreiz schaffen, sich mit dem Beruf Erzieher*in näher zu befassen.

2. Einrichtungen, die diese “Praktikanten” begleiten, müssen hierfür ein klares Einarbeitungskonzept vorweisen, für welche Tätigkeiten die Praktikanten eingesetzt werden und welche pädagogischen Erfahrungen sie machen sollen. Es geht um konkrete Aufgabenstellungen, die dann gemeinsam mit den Anleitenden reflektiert werden.

3. Einrichtungen müssen Anreize dafür erhalten, diese Praktikanten in ihrer KiTa zu betreuen. Dies gelingt bspw. durch die Finanzierung der Praktikanten ohne Anrechnung auf den Stellenschlüssel und einem zeitlichen und finanziellen Bonus für die Anleitung des Praktikanten.

4. Alle Fachschulen müssen im Vorfeld Motivationsschreiben einfordern und Bewerbergespräche führen. Es gibt Schulen, die nehmen einfach jeden. Es werden Fälle berichtet, dass 50% der Schüler*innen die Ausbildung abbrechen. Hier wird schlichtweg Geld verbraten. Lehrer und Schüler sind frustriert und demotiviert. Ein gezielteres Auswahlverfahren würde der hohen Fluktuation entgegenwirken.

5. Studenten von päd. Studiengängen, wie bspw. der IUHB Internationale Hochschule, haben in ihrem Curriculum vorgesehen, dass die Studenten Teilzeit in Einrichtungen tätig sind. Leider werden solche Tätigkeiten aber vom Land nicht refinanziert, so dass der Träger einer Einrichtung selbst für die Kosten aufkommen muss (monatlich zwischen 650-800 €). Hier muss das Land zur Kostenübernahme verpflichtet werden und kann damit sein Interesse an der Gewinnung neuer Fachkräfte deutlich machen.

6. Interessierte müssen grundsätzlich in allen KiTas hospitieren dürfen, natürlich unter klaren Regeln und Absprachen. Das gilt für Berufsinteressenten aber auch für Verantwortliche aus Politik und Verwaltung, Träger und alle, die sich mit dem Kita-Alltag theoretisch auseinandersetzen. Sie sollen persönlich erleben, wie der KiTa-Alltag vor Ort aussieht, was frühkindliche Bildung ausmacht und an welche Grenzen sie durch die aktuellen Rahmenbedingungen stößt.

7. Die Erzieherausbildung muss bezahlt werden. Eine fünfjährige Ausbildung, in der man oft über Jahre nichts verdient, ist für junge Menschen sehr unattraktiv. Eine bezahlte praxisintegrierte Ausbildung, bei der die Azubis Teilzeit in den Einrichtungen arbeiten und die Schule besuchen, sollte selbstverständlich werden.  Genauso selbstverständlich muss auch werden, dass die KiTas genügend Ausbildungsplätze anbieten.

Diese Ideen sind bestimmt ausbaufähig, und vielleicht gibt es noch andere Ansätze.

Der Alltag unserer Kinder, ihre Bildungs- und Entwicklungschancen dürfen nicht von schnellen, kostengünstigen Lösungen bestimmt sein.

Es ist nicht alles in Ordnung, wenn die Betreuung unserer Kinder gesichert ist. KiTas müssen Lebensstätten und dürfen keine Aufbewahrungsanstalten sein!

Eine Idee zu “KiTa-Helfer – eine Lösung in Zeiten des Fachkräftemangels?

  1. Madlen Hoffmann sagt:

    Hallo,
    in der Realität sind die Kitahelfer nicht Helfer, sondern Lückenfüller für Erzieher die nicht vorhanden sind. Aber das Programm klingt mal wieder gut und die Politiker können sich feiern.

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