Verbesserungen für die KiTa-Qualität in RLP? KiTa-Fachkräfte sind enttäuscht über Koalitionsvertrag

Viele KiTa-Fachkräfte sind über den neuen Koalitionsvertrag der Ampel enttäuscht. Die Aussagen, dass die KiTas im Land bereits eine gute pädagogische Qualität und einen Spitzenplatz im Länderranking einnehmen, spiegelt nicht die Realität der meisten Einrichtungen wider.

Im aktuellen Ländervergleich der Bertelsmann Stiftung wird aufgezeigt, dass die überwiegende Mehrheit aller KiTa-Kinder keine kindgerechten Bedingungen in ihren Einrichtungen hat. 81% aller KiTa-Kinder besuchen altersgemischte Gruppen für Kinder von 2-6 Jahren oder 0-6 Jahren. Die Personalschlüssel sind hier wesentlich schlechter als in den besser personalisierten Krippengruppen (0-3 Jahre) und reinen Kindergartengruppengruppen (3-6 Jahre).


Krippengruppen und reine Kindergartengruppen werden nur von 19% der Kinder besucht, die statistischen Daten hierzu aber gerne präsentiert. Über die schlechteren Ergebnisse für die Mehrheit der Kinder wird meistens nicht gesprochen. In den altersgemischten KiTa-Gruppen liegt der Personalschlüssel gut 40% unter den fachlichen Mindestanforderungen an eine gute pädagogische Qualität.

Wie können sich die Regierungsparteien damit zufriedengeben, obwohl sie mit folgenden Versprechen in den Wahlkampf gezogen sind?

  • „Alle Kinder sollen die gleichen Chancen haben, das Beste aus ihrem Leben zu machen.“
  • „Es geht um einen umfassenden, nachhaltigen Bildungsanspruch.“
  • „RLP braucht ein hervorragendes Bildungssystem, das allen Kindern Chancen auf beste Bildung und eine gute Zukunft bietet.“
  • „Das Bildungssystem und seine Strukturen müssen weitergedacht werden.“
  • „Individuelle Förderung und Inklusion sollen verwirklicht werden.“
  • „Barrierefreiheit und Unterstützung durch Personal aus dem sonderpädagogischen Bereich sollen die Inklusion voranbringen.“
  • „Die vergütete praxisintegrierte Ausbildung soll ausgebaut und selbstverständlich werden.“
  • „Gesundes Mittagessen für alle Kinder wird gefordert.”
  • „Die rheinland-pfälzischen KiTas sollen weltbeste Bildung durch qualifizierte Bildungsangebote bieten.“

Auch das neue KiTa-Gesetz wird an den unzureichenden Personalschlüsseln nichts ändern. Für 2-6Jährige ist im Alltag ein Erzieher oder eine Erzieherin für die Betreuung von 10 Kinder vorgesehen. Dazu kommen noch Zeitkontingente für KiTa-Sozialarbeit und Leitung, was der Einrichtung, aber nicht der unmittelbaren Betreuung der Kinder zugutekommt.


Fachwelt und Fachpraxis melden seit vielen Jahren zurück, dass es immer weniger möglich ist, den Bedürfnissen der Kinder Rechnung zu tragen und gute frühkindliche Bildungsarbeit zu machen.

Nicht selten geht es im KiTa-Alltag nur noch um Satt, Sauber und Unverletzt. Das kann weder Erzieherinnen und Eltern noch die Kinder zufriedenstellen. Wir brauchen dringend kindgerechte Personalschlüssel und Gruppengrößen!

Diese Forderungen von Erzieher*innen, Fachberatungen, Verbänden, Gewerkschaften und der Wissenschaft sind bereits
viele Jahre alt. Getan hat sich in quantitativer Hinsicht viel. Unsere Kinder werden immer jünger und immer länger
betreut. Personalschlüssel und Räumlichkeiten wurden aber nie adäquat an die gestiegenen Anforderungen angepasst.

Viele KiTa-Fachkräfte sind frustriert und resigniert. Wieder mal wird die Hoffnung auf bessere Zeiten in der pädagogischen Arbeit enttäuscht.


Immerhin tut sich endlich etwas in Sachen Ausbildung: Eine berufsbegleitende Ausbildung mit Bezahlung soll für Erzieher*innen flächendeckend etabliert und zum Standardmodell werden. Das ist eine richtige Maßnahme gegen den immer gravierender werdenden Fachkräftemangel, die sich auch in den Forderungen des KiTa-Fachkräfteverbands findet. Die hohe Fluktuation der KiTa-Fachkräfte, die das Berufsfeld KiTa häufig nach ein paar Berufsjahren frustriert wieder verlassen, braucht aber eine andere Antwort.

Erzieher*innen sehnen sich nach Arbeitsbedingungen, die kindgerechtes pädagogisches Arbeiten im KiTa-Alltag ermöglichen. Für ein modernes gleichberechtigtes Familienleben mit Vereinbarkeit von Familie und Beruf brauchen wir KiTas, die keine Aufbewahrungs- sondern Lebensstätten sind, denn die Kinder von heute sind die Gesellschaft von morgen.

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