Wie gelingt konstruktive Diskussion?

Als Verband freuen wir uns über stetig steigende Mitgliederzahlen und die Lebendigkeit, mit der Vernetzung und Austausch stattfindet. Es geht uns darum, die Stimmen aus der Praxis und damit die Probleme in den Kitas öffentlich machen und unsere Berufsgruppe stärken, indem wir informieren uns untereinander austauschen und überlegen, wie Verbesserungen aussehen können. Wir sind immer auf der Suche nach Wegen und Möglichkeiten, wie das gut gelingen kann.  

Im Januar hatten einige unserer Vorstandsmitglieder und regionale Ansprechpartner*innen ein Presseseminar, auf dem wir viel über Presse- und Öffentlichkeitsarbeit lernen durften und auch über Diskussionen in den sozialen Netzwerken gesprochen haben.

Keine aus unserem Vorstand hatte sich im Vorfeld öffentlich engagiert. Wir sind im August 2021 als Erzieherinnen aus der Praxis mit der Verbandsgründung ins kalte Wasser gesprungen und immer noch dabei, schwimmen zu lernen.

Einen Gedanken unseres Presseseminars möchten wir hier mit euch teilen:

Facebookseiten und öffentliche Chatgruppen wie die unsere sind öffentliche Räume. Alle Äußerungen und Kommentare, die dort gepostet werden, können von der ganzen Welt mitgelesen werden. Kommentare dürfen beispielsweise auch von Journalisten aufgegriffen und zitiert werden.

Im Bild gesprochen, ist ein Facebook-Kommentar das Gleiche wie eine Bekanntmachung, die ich auf einem Marktpatz herumschreie oder an eine Kirchentür nagle. Das sollte allen, die in sozialen Netzwerken kommentieren, immer bewusst sein.

Was und wie Kita-Fachkräfte auf unseren Verbandsseiten schreiben, prägt das öffentliche Bild unserer Berufsgruppe mit.

Persönliche Angriffe, Polemik und „Schimpfe“ vermitteln schnell den Eindruck, dass die Schreiber*innen lediglich ihrem Ärger Luft machen, inhaltlich aber nicht viel zu sagen haben.

Sachliche, und durchaus auch harte Kritik an Dingen, die gesagt, getan oder unterlassen werden oder Statements über die Situation und den Alltag in den Kitas machen eine lebendige und konstruktive Diskussion aus.

Hier ein Beispiel:

Minister*in XY behauptet öffentlich, dass die aktuellen Kita- Rahmenbedingungen bedürfnisorientierte Betreuung, altersdifferenzierte Bildungsangebote und individuelle Förderung gewährleisten. „Bei uns im Bundeland XY sorgen wir für beste frühkindliche Bildung,“ ist beispielsweise ein beliebtes Statement.

Es macht dann einen großen Unterschied, ob ich schreibe:

„Minister*in XY ist absolut unfähig, hat keine Ahnung, macht schlechte Arbeit und ist sowieso ein ignoranter Mensch, dem Kinder völlig egal sind.“

oder

„Als Erzieherin widerspreche ich Minister*in XY. Oft ist im Kita-Alltag nur reine Beaufsichtigung und Betreuung möglich. Ich werde unter den aktuellen Rahmenbedingungen meinem Bildungs- und Betreuungsauftrag nicht gerecht und meinen Kolleginnen geht es genauso. Seit Jahren gibt es fachlich begründete Mindestanforderungen an kindgerechte Personalschlüssel und Räumlichkeiten.“ Kein Bundesland setzt diese Mindeststandards um. Es ist daher falsch, wenn Minister*in XY in Bezug auf unsere Kitas von bester frühkindlicher Bildung spricht.“

Alle Äußerungen, die pauschalisieren, wie zum Beispiel: DIE POLITIKER, DIE TRÄGER, DIE ELTERN oder Worte wie: IMMER, NIE, ALLE usw. verhindern, dass konkrete Probleme angesprochen, Anliegen verstanden und Lösungen gesucht werden.

Persönliche Zuschreibungen wie: „diese unfähige Frau XY“ oder „Politiker XY sagt das nur, weil er Party Z angehört “ führen dazu, dass schnell die persönlichen Angriffe zum Thema gemacht werden, anstatt sich mit der Sache auseinanderzusetzen. Die persönliche Befindlichkeit der Person, die beschimpft oder beleidigt wurde, steht dann im Mittelpunkt.

Deshalb ist es wichtig, immer wieder zu reflektieren und zu üben, wie Kritik sachlich und mit guten Argumenten vorgebracht werden kann.

Über die Mindestanforderungen an kindgerechte Kita-Rahmenbedingungen sind sich Erziehungswissenschaftler*innen, Frühpädagogen und Frühpädagoginnen mit den Fachkräften aus der Praxis einig. Es gibt hier keine unterschiedlichen Positionen, besonders was kindgerechte Personalschlüssel anbelangt.

Die fachlichen Argumente zum Thema pädagogische Qualität liegen alle auf unserer Seite! Das dürfen wir nutzen und lernen, Erkenntnisse und Fakten in Diskussionen einzubringen. Unsere weitere Stärke als Kita-Fachkräfte liegt darin, dass wir authentisch berichten können. Wir erleben jeden Tag die Realität des Kita-Alltags und wissen, wie es in den Einrichtungen zugeht.  

Als Kita-Fachkräfteverband wollen wir aufklären sowie sachlich und fachlich diskutieren. Wir bringen einen langen Atem und die unerschütterliche Hoffnung mit, dass kindgerechte Kitas keine Utopie bleiben müssen.  

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