KiTa-Regelbetrieb trotz hohen Inzidenzwerten: Eine Corona-Chronologie aus dem Kreis Altenkirchen im Westerwald

13.3.2021:

Den KiTa-Fachkräfteverband RLP erreicht der verzweifelte Bericht einer Erzieherin. Kolleginnen und Kollegen aus dem Kreis Altenkirchen fragen sich, ob angesichts des höchsten Inzidenzwertes von RLP wirklich die KiTas ab 15.3. für alle Kinder uneingeschränkt geöffnet werden. Sie bitten die GEW um Hilfe, die beim Bildungsministerium nachfragt. Das BM verweist an die Kreisverwaltung Altenkirchen. Die Kreisverwaltung sieht sich nicht zuständig und verweist ans Gesundheitsamt. Dort schließt sich der Kreis, denn das Gesundheitsamt verweist auf die aktuelle Corona- Bekämpfungsverordnung des Ministeriums. Diese Verordnung müsse Regelungen zu den KiTas beinhalten.

15.3.2021:

Alle KiTas in RLP gehen in den regulären Betrieb. Der Appell, die Kinder zuhause zu betreuen, wird aufgehoben. Eine Teststrategie vor Ort gibt es lange nicht in allen Einrichtungen. Viele KiTa-Mitarbeiter*innen haben noch nicht ihre erste Impfung erhalten.

22.03.2021:

In einer Telefonschalte mit dem Ministerium und den KiTa-Spitzen wird vereinbart, dass Kreise mit hohen Inzidenzen Maßnahmen ergreifen dürfen. Die Kreise Frankenthal und Germersheim entscheiden beispielsweise, dass weiterhin an die Eltern appelliert wird, die Kinder zuhause zu betreuen. Die 7-Tage-Inzidenz für den Kreis Altenkirchen liegt bei 188. Die KiTas bleiben uneingeschränkt geöffnet.

24.3.2021:

Die Inzidenz des Kreis Altenkirchen steigt auf über 200. In den KiTas bleibt alles beim Alten.

25.3.2021:

Landrat Enders bekommt Bürgeranfragen, warum für die KiTas keine Maßnahmen ergriffen werden. Er verweist auf die Vorgaben aus Mainz und will keine eigenen Entscheidungen für den Kreis treffen. Auch für die noch lange nicht vollständigen Impfungen des KiTa-Personals sei das Land zuständig.

26.3.2021:

Die Kreisverwaltung Altenkirchen ordnet verschärfte Corona-Maßnahmen an. Der Präsenzunterricht an Schulen wird bis zum 9.4. ausgesetzt, gewerbliche Einrichtungen werden oder bleiben geschlossen, von 21.00 Uhr – 5.00 Uhr gilt eine Ausgangsperre. Nur die KiTas bleiben im regulären Betrieb. Das entspräche dem Elternwillen, und die Erzieherinnen seien durch die Impfung geschützt. Dass in KiTas bis zu 25 Kinder ohne Abstand und Maske in Räumen von 50 Quadratmetern spielen und die Gruppen sich im Alltag auch noch mischen, wird ausgeblendet. Genau wie das Problem, dass die KiTa-Kinder das Virus in die Familien tragen und damit das Infektionsgeschehen weiter antreiben.

28.03.2021:

Der Inzidenzwert des Kreis Altenkirchen steigt auf 223. Die Schulen haben Ferien, die KiTas sind lediglich über die Osterfeiertage geschlossen. Der uneingeschränkte Regelbetrieb für alle Kinder wird fortgesetzt.

Diese Chronik hat der KiTa-Fachkräfteverband aus Zuschriften betroffener KiTa-Fachkräfte des Kreis Altenkirchen und durch eigene Recherchen erstellt.

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